Quo vadis Schweiz
Themen

Zukunft Schweiz

Ideen. Perspektiven. Lösungen.

Dieses Kapitel ist vermutlich das komplexeste und zugleich anspruchsvollste dieser Plattform. Es legt kein fertiges Zukunftsmodell vor, sondern gibt Anstösse — und stellt sie zur Diskussion.

Einleitung

Manche Entwicklungen wurden bewusst herbeigeführt, andere haben sich schleichend vollzogen.

Die Schweiz hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert — politisch, gesellschaftlich und kulturell. Vieles wurde vielleicht erst spät wahrgenommen.

Einen Niklaus von Flüe (1417–1487), den wir heute um Rat fragen könnten, haben wir nicht. Doch manche Gedanken, die ihm zugeschrieben werden, wirken erstaunlich aktuell:

«Beladet euch nicht mit fremden Angelegenheiten, bündet euch nicht mit fremder Herrschaft, seid auf der Hut vor Zweiung und Eigennutz. Hütet euer Vaterland und haltet zu ihm. Pfleget nicht vorsätzlich Kriegslust; wenn euch aber jemand überfällt, dann streitet tapfer für Freiheit und Vaterland.»
Niklaus von Flüe zugeschrieben

Es geht in diesem Kapitel nicht darum, ein fertiges Zukunftsmodell für die Schweiz vorzulegen. Vielmehr sollen Anstösse für neue Ideen gegeben und zur Diskussion gestellt werden, wie eine eigenständige, selbstbewusste und bürgernahe Schweiz in Zukunft aussehen könnte.

Eine solche Erneuerung geschieht nicht über Nacht. Sie braucht Geduld, Beharrlichkeit, die Bereitschaft zum Handeln — und Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Vier erste Ansätze

Keine abschliessende Antwort — ein Anfang

01

Vom Vernehmlassungsverfahren zur echten Mitwirkung

Das Vernehmlassungsverfahren — ob auf eidgenössischer, kantonaler oder kommunaler Ebene — sollte sich stärker zu einem wirklichen Mitwirkungsverfahren entwickeln.

Bürgerinnen und Bürger sollten nicht erst dann einbezogen werden, wenn wesentliche Entscheide bereits vorbereitet sind, sondern möglichst frühzeitig.

Die Frage lautet:

Wie können wir politische Mitwirkung wieder stärker von unten nach oben organisieren?

02

Politische Bildung bereits in der Schule

Unser Bildungswesen lässt sich nicht über Nacht reformieren. Aber Veränderungen können im Kleinen beginnen.

Warum nicht beispielsweise ein Pilotprojekt an einigen Schulen starten? Denkbar wären etwa zehn Unterrichtsstunden pro Quartal, in denen altersgerecht grundlegende Fragen unseres Staatswesens behandelt werden: Was bedeutet direkte Demokratie? Wer ist in der Schweiz eigentlich der Souverän? Was verstehen wir unter Neutralität? Welche Rechte, aber auch welche Verantwortung haben Bürgerinnen und Bürger?

Es sollte dabei nicht darum gehen, jungen Menschen eine bestimmte politische Richtung zu vermitteln.

Das Ziel ist ein anderes:

Sie sollen lernen, sich selbst eine Meinung zu bilden.

03

Subsidiarität wieder ernst nehmen

Die Subsidiarität — also der Grundsatz, dass Aufgaben möglichst dort wahrgenommen und entschieden werden sollen, wo sie entstehen — hat in der Schweiz an Bedeutung verloren.

Immer mehr Entscheidungen wandern nach oben: von der Gemeinde zum Kanton, vom Kanton zum Bund und teilweise vom Bund auf die internationale Ebene.

Warum nicht lokale oder regionale Bürgerforen schaffen, die sich konkret mit einer einzigen Frage beschäftigen?

Diese Frage:

Welche Aufgaben könnten wieder näher bei den Bürgerinnen und Bürgern angesiedelt werden?

04

Bürokratie nicht nur beklagen, sondern abbauen

Über die zunehmende Bürokratie wird seit Jahren geklagt — von Bürgern, Gemeinden und insbesondere von kleinen und mittleren Unternehmen. Doch Klagen allein verändert nichts.

Vielleicht müsste man die Frage einmal umkehren: Welche Vorschriften, Bewilligungen, Meldepflichten und administrativen Abläufe könnten ersatzlos gestrichen oder wesentlich vereinfacht werden?

Auch hier könnten Bürger, Unternehmer und Verwaltungsmitarbeitende gemeinsam konkrete Vorschläge erarbeiten. Nicht eine weitere Kommission wäre das Ziel, sondern eine einfache Frage.

Sie lautet:

Was können wir weglassen?

Ausblick

Reden wir darüber

Diese vier Punkte sind keine abschliessende Antwort auf die Frage, wohin sich die Schweiz entwickeln soll. Sie sind ein Anfang.

Vielleicht gibt es bessere Ideen. Vielleicht wird einzelnen Vorschlägen entschieden widersprochen. Auch das gehört zu einer lebendigen direkten Demokratie.

Entscheidend scheint etwas anderes: Wir sollten die Zukunft unseres Landes nicht einfach als etwas betrachten, das über uns kommt. Wir können sie mitgestalten.

Dazu braucht es nicht immer grosse Reformprogramme. Manchmal beginnt Veränderung mit einer Idee, einem Gespräch, einem kleinen Versuch — und mit Menschen, die bereit sind, etwas anzustossen.

«The door is open.»

Peter Ruckstuhl, Langenthal — 15. August 2026